Verzicht auf den "Großen Zapfenstreich" bei Verabschiedung

Offener Brief der Arbeitsgruppe Solidarische Kirche im Rheinland an den Bundespräsident Joachim Gauck

November 2016
Sehr geehrter Herr Bundespräsident!
Im kommenden Jahr werden Sie aus Ihrem Amt verabschiedet. Als Mitglieder von seit vielen Jahren für den Frieden eintretende Gruppen möchten wir Sie bitten, bei Ihrer Verabschiedung auf den "Großen Zapfenstreich" der Bundeswehr zu verzichten.
Der große Zapfenstreich wird immer wieder kritisiert als ein Ritual aus vordemokratischem Geist.
Durch das "Helm ab zum Gebet", das Abspielen des Tersteegen-Chorals und "Ruf nach dem Gebet" wird eine religiöse Praxis, das Beten, in den Rahmen von Befehl und Gehorsam eingepasst.
An so prominenter Stelle darf nicht der Eindruck entstehen, in Deutschland seien Religion und Militär untrennbar miteinander verbunden.
Obwohl unsere Armee eine Parlamentsarmee ist und jeder Einsatz vom Bundestag beschlossen werden musss, erfüllt dieses Ritual im Zusammenhang  mit den sich immer stärker ausweitenden Militäreinsätzen der Bundeswehr viele Menschen mit Sorge.

Letzlich knüpft das Ritual an unsere deutsch-nationale Vergangenheit an, diese konnte durch eine unkritische Religiosität gefestigt werden, die dann das NS-Regime stabilisieren half.

Als Sie kürzlich in Essen das Grab Gustav Heinemanns besuchten, würdigten Sie ihn als politisches Vorbild und großen Demokraten, der sich in seinem politischen Handeln stets von seinem Glauben und seinen Werten habe leiten lassen. Große Glaubwürdigheit habe er sich erworben als Mitglied der Bekennenden  Kirche in der Nazizeit sowie durch sein Eintreten gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands.
Gustav Heinemann verzichtete bei seiner Verabschiedung als Bundespräsident ausdrücklich auf den Großen Zapfenstreich.
Bitte folgen Sie auch in dieser Sache Ihrem Vorbild. Sie können damit ein Zeichen setzen für die Möglichkeit, Konflikte anders als militärisch zu lösen.
Wir wünschen uns einen Bundespräsidenten, der sich in seinem Amt grundsätzlich kritisch gegenüber unserer militaristisch-reaktionären Vergangenheit positioniert. Sie können bei Ihrem Abschied ein demokratisches Signal setzten, indem Sie wie Gustav Heinemann auf den großen Zapfenstreich verzichten.

Arbeitsgruppe Solidarische Kirche im Rheinland
Martin Niemöller Stiftung
Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK)
EAK Westfalen
Deutscher Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes
Friedensinitiative Westpfalz
gewaltfrei handeln e.V.
Friedenskreis Halle e.V.
Ausschuss Kirchlicher Entwicklungsdienst und Ökumene im Kirchenkreis Oberhausen
Kirchenkreis Oberhausen

 

 

 

 

 

Anhang: