Wie geht Frieden?

AGDF/Friedenskreis Halle

(07.03.2017) Am Sonnabend, den 4. März, fand der erster Fachtag für Friedensbildung für den Raum Mitteldeutschland in Halle (Saale) statt. Lehrkräfte, Studierende und viele Akteure der lokalen Friedensbildung trafen sich an diesem Tag in den Räumlichkeiten der Christlichen Akademie um in einen inhaltlichen und methodischen Austausch zu treten. Ziel des Fachtages war es darüber hinaus, das noch junge Netzwerk in Mitteldeutschland bekannt zu machen und zum mitgestalten einzuladen.

Nach den Grußworten der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands (EKM) legte Prof. Dr. Angela Mickley (Hochschullehrerin für Friedenserziehung, Konfliktbearbeitung/Mediation und Ökologie an der FH Potsdam) in ihrem Fachvortrag „Friedenserziehung in Deutschland heute“ dar, wie vielfältig und dynamisch aktuelle Entwicklungen auf dem Gebiet der Friedensbildung sind. In Ihrem Vortrag wurde deutlich, dass Friedensbildung bisher im Bereich Schule noch vollkommen unterrepräsentiert ist: „In der Ausbildung von Lehrkräften spielt Friedensbildung und der Erwerb von Konfliktkompetenz noch immer keine Rolle“ kritisierte sie die Hochschulen. Auch machte sie deutlich, dass sich der innergesellschaftliche Konsens gewaltfreien Handelns in Deutschland nicht in den Forderungen in internationalen Krisen und Konflikten widerspiegle: „Unsere Kinder und Jugendlichen erziehen wir dazu, nicht zu schlagen, Gewalt wird hier stark tabuisiert. Wenn es um internationale Krisen geht, rufen aber alle nach dem Militär. Der Etat der Bundeswehr steigt stetig. Das ist ein großer Widerspruch!“ Prof. Dr. Mickley machte sich in ihrem Vortrag dafür stark, gewaltfreie Konfliktbearbeitung nicht nur innerhalb Deutschlands sondern vor allem auch in internationalen Krisen und Gewaltkonflikten zu stärken.

Im Anschluss an den Vortrag konnten die Teilnehmenden in Workshops unterschiedliche Bereiche der Friedensbildung praktisch vertiefen. Agnes Sander von dem Projekt „zivil statt militärisch“ der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden befasste sich in ihrem Workshop mit Möglichkeiten der zivilen gewaltfreien Konfliktbearbeitung im Ausland. „Ich gehe sehr inspiriert und wissenshungrig aus diesem Workshop raus“, resümierte eine Lehrerin, die zum ersten Mal von Möglichkeiten ziviler Konfliktbearbeitung im Ausland erfahren hat. Mit den Anregungen und Materialien im Gepäck hat sie  sich fest vorgenommen, dieses Thema mit ihren Schülerinnen und Schülern zu behandeln.

Dieser Fachtag in Halle und in Mitteldeutschland hat wichtige Impulse für ein noch sehr junges Netzwerk Friedensbildung gesetzt. Der Austausch hat einmal mehr die Notwendigkeit von Friedensbildung auf lokaler, nationaler sowie internationaler Ebene verdeutlicht.

Veranstaltet wurde der Fachtag vom Netzwerk Friedensbildung Mitteldeutschland – einem Zusammenschluss von Bildungsakteuren, die zivile Friedensbildung an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen stärken möchten.

Gefördert wurde die Veranstaltung von der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt, der Ev. Kirche Mitteldeutschland, Engagement Global im Auftrag des BMZ, Brot für die Welt und die Ev. Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden.
(Agnes Sander)