Rüstungsausgaben 2019 und die Lehren aus der Corona-Pandemie

Evangelisch – Lutherischen Landeskirche  Hannovers

Deutschland erhöht seinen Verteidigungshaushalt um 10% und damit am stärksten von den 15 führenden Ländern bei Militärausgaben.     

Ein grundsätzliches Umdenken ist heute mehr denn je gefordert.“  Meint Lutz Krügener, der Beauftragte für Friedensarbeit im Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch – Lutherischen Landeskirche  Hannovers , in einem sehr persönlichen Zwischenruf.

Angesichts der riesigen Herausforderungen vor denen Deutschland und die Weltgemeinschaft stehen,  scheinen für mich die Wachstumszahlen für Militärausgaben, die das hoch anerkannte Schwedische Forschungsinstitut SIPRI (www.sipri.org)  für 2019 veröffentlicht hat, wie aus der Zeit gefallen:

  • Weltweit der größte Anstieg seit 10 Jahren
  • Fast 2 Billionen US Dollar  ( 2000 Milliarden) für Militär
  • Deutschland erhöht um 10 % auf 49, 3 Milliarden US Dollar
  • Keine Region hat ihre Ausgaben so gesteigert wie Europa mit insg. 5 %
  • Die NATO Länder geben gemeinsam 1035 Milliarden US Dollar aus
  • Russland steigert die Ausgaben um 4.5 % auf 65,1 Milliarden US Dollar und liegt mit 3.9 % des Bruttoinlandsprodukt für Militär fast am höchsten in Europa
  • Die USA geben weniger aus als noch vor 10 Jahren, steigern aber um 5.1 % und liegen mit 732 Milliarden US – Dollar,  weit vor allen Ländern und haben allein einen Anteil von   38 % an den weltweiten Ausgaben
  • China ist inzwischen die 2. Macht mit 261 Milliarden US – Dollar und Indien hat Russland mit 71 Milliarden überholt
  • Die Länder in denen Krieg herrscht haben prozentual natürlich die höchsten Ausgaben

Was macht Deutschland und die Weltgemeinschaft? Ich halte diese Politik, diese Aufrüstung, die meistens als alternativlos gesehen wird, für unverantwortlich.  So sehr ich sonst unsere Politiker*innen gerade in dieser Krise wertschätze und heilfroh bin über ihren unermüdlichen Einsatz und klugen Entscheidungen.  Aber so wie in der Rüstungspolitik dürfen wir nicht mit den Ressourcen an Intelligenz, Rohstoffen, Geld und der Natur und letztlich Menschenleben umgehen.   Die Corona – Pandemie verdeutlicht es nochmals wie unter einem Brennglas:  Wir lesen von den Hungerprognosen für Afrika. Wir leben in der Sorge, dass die Wirtschaft und viele kleine Unternehmen irreparablen  Schaden nehmen. Wir wissen nicht welche Auswirkungen all die guten Unterstützungsmaßnahmen der Politik  langfristig nach sich ziehen. Wir lesen in diesen Tagen wieder über die katastrophalen Auswirkungen der Klimaveränderung und erleben sie direkt. Wir wissen nicht, wie wir die Geflüchteten menschenwürdig beherbergen können,  usw. – usw. Und dann leistet sich die Weltgemeinschaft diesen Irrsinn der Rüstungsausgaben, die keinen produktiven Nutzen haben, sondern nur Ressourcen verbrauchen und letztlich mit verantwortlich sind für Kriege, Leid und Flucht auf dieser eigentlich so wunderbaren, vielfältigen Welt.

Hier muss es ein grundsätzliches Umdenken geben! Vielleicht kann eine weltweite Pandemie einen bitteren Anstoß dazu geben.  Die Menschen und die Politker*innen dieser Welt, die wirklich das Wohl der Menschen und der Natur im Blick haben, müssen den oft beschworene „Schweiß der Edlen“  darauf verwenden,  die Aufrüstung zu beenden.  Ich erwarte hier die gleiche Energie, wie bei der  Wirtschaftskrise 2008 und der heutigen Krise. Durch Verträge, Diplomatie, Stärkung der internationalen Einrichtungen wie UN, OSZE, UNHCR, u.a.; durch Versöhnungsgesten, Vertrauensbeweise und einseitige Vorleistungen muss sich bemüht werden, die Aufrüstungsspirale zu durchbrechen.  Wir brauchen diese Mittel an Intelligenz und Geld  an so vielen lebenserhaltenden Aufgaben. Die Weltgemeinschaft muss lernen, dass sie nur gemeinsam gut leben kann.  Ein Rückfall in einen Nationalismus würde alle Probleme langfristig nur noch verstärken. Wenn es gelänge zunächst aus der Spirale der Aufrüstung auszusteigen, wäre schon ein wichtiger Schritt getan. Wenn es dann möglich wäre in den nächsten 10 Jahren jeweils 5 % der Ausgaben einzusparen, hätte die Weltgemeinschaft jährlich eine Billion US Dollar zusätzlich zur Verfügung. Damit könnten die Ursachen von Hunger, Flucht und Klimazerstörung tatsächlich materiell bearbeitet werden. Wichtiger noch: wir hätten gelernt, zu was wir als Menschheit in der Lage sind, wenn wir es denn wollen und unsere Mitmenschen sehen.  Es ist nicht und nie zu spät, aber es ist jetzt die Zeit für grundlegende Veränderungen und zum Handeln zum Wohl der Menschheit und der Natur. Vielleicht hilft dafür der alte Slogan: „Global denken – lokal handeln“ und der so bittere Anstoß durch die Corona – Pandemie, die uns lehrt, dass nur Empathie und Solidarität uns voranbringen.

 

Lutz Krügener, Pastor
Beauftragter für Friedensarbeit

Im Haus kirchlicher Dienste
der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers
Archivstr.3
30169 Hannover

Tel. 0511-1241-560 Fax 0511-1241-941
Email kruegener [at] kirchliche-dienste.de ()


Web www.kirchliche-dienste.de/arbeitsfelder/frieden/startseite,