Maria Baum

Kriegsdienstver-weigerung von Soldaten im Jahr 2011

von Maria Baum

Eine Anfrage im Deutschen Bundestag von Paul Schäfer (DIE LINKE) ergab, dass im Jahr 2011 insgesamt 1398 Anträge auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer von Soldaten beim BAFzA eingegangen sind.

Davon sind 406 von Soldaten auf Zeit und vier von Berufssoldaten gestellt worden. In den Zahlen vom BAFzA sind darüber hinaus Anträge von Soldaten enthalten, die aufgrund der Wehrpflicht und als Freiwillig Wehrdienst Leistende Wehrdienst geleistet haben.

Von den 1398 eingegangenen Anträgen auf Kriegsdienstverweigerung von Soldaten beim BAFzA im Jahr 2011 wurden 1171 Soldaten (und damit 83,76 % der Antragstellenden) als Kriegsdienstverweigerer anerkannt. Eine Aufschlüsselung nach Statusgruppen der Anträge liegt leider für das Jahr 2011 nicht vor. Die durchschnittliche Dauer im Anerkennungsverfahren betrug im Jahr 2011 zwischen zwei und vier Wochen.

Gegenüber dem Jahr 2010 hat die Anzahl der KDV-Anträge von Zeit- und Berufssoldaten demnach zugenommen. Laut Auskunft von Bundeswehr-Monitoring gab es im Jahr 2010 nur 373 Zeit- und Berufssoldaten, die einen Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer gestellt haben, also 37 Personen weniger. Von diesen wurden im Jahr 2010 309 als Kriegsdienstverweigerer anerkannt (82,8%).

Zusammenfassend heißt das: Es gibt eine Zunahme von Anträgen auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer von Zeit- und Berufssoldaten. Die Prozentzahlen sprechen auch für eine Zunahme der Anerkennung der Anträge. Allerdings bleibt dies weiter zu beobachten, da für 2010 die Zahlen der anerkannten Anträge nur Zeit- und Berufssoldaten berücksichtigen und für 2011 auch Anträge von Soldaten, die als Freiwillig Wehrdienstleistende oder Wehrpflichtige im Wehrdienst sind, mit berücksichtigt wurden.

Laut einer dpa-Meldung vom 08.März 2012 ist im Blick auf die letzten sechs Jahre auch die Anzahl der Offiziere und Unteroffiziere, die einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung gestellt haben, von 15 im Jahr 2006 auf 181 im Jahr 2011 gestiegen. Insgesamt, so die Meldung, haben seit dem Beginn des Afghanistaneinsatzes im Jahr 2001 593 Offiziere und Unteroffiziere der Bundeswehr den Kriegsdienst verweigert.

Die Drucksache des Deutschen Bundestags (Frage 95 und 102) ist zu finden unter: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/086/1708637.pdfund der Link zum Hinweis bei Bundeswehr Monitoring unter http://www.bundeswehr-monitoring.de/innenansichten/410-zeit-und-berufssoldaten-verweigern-den-kriegsdienst-12516.html

In der o.g. Drucksache finden Sie darüber hinaus auf die Frage von Omid Nouripour (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), aus welchen Gründen es zu einem Anstieg bei Ermittlungsverfahren in Verbindung mit Soldat/innen im Auslandseinsatz gekommen ist, die zusammenfassende Auskunft von Thomas Kossendey, dass ein starker Anstieg von Ermittlungsverfahren gegen Bundeswehrsoldatinnen und Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz nicht festgestellt werden kann (ebd., Frage 94).

Druckversion des Beitrags PDF: Kriegsdienstverweigerung 2011

News 1.10.2012
"Jugendliche werden Friedensstifter" Ausbilder-lehrgang

Vom 16. bis 19. Oktober 2012 wird von der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden im cvjm-Tagungshaus, Hugo-Preuß Str. 40a in 34131 Kassel-Bad Wilhelmshöhe eine Ausbildung zum Ausbilder von Trainer/-innen für das Programm „Jugendliche werden Friedensstifter“ stattfinden.

 

Weitere Informationen zu dieser Veranstaltung finden Sie hier als pdf: Ankuendigung Schulung zum Ausbilder

 

News 21.9.2012
Dr. Christoph Münchow neuer Bundes-vorsitzender der EAK

Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) hat auf ihrer Mitgliederversammlung vom 17.-19.

Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) hat auf ihrer Mitgliederversammlung vom 17.-19. September einen neuen Bundesvorsitzenden gewählt.
Nach 6 Jahren legte Walter Herrenbrück sein Amt als Vorsitzender nieder. In seine Amtszeit fielen die Umstrukturierung der Friedensarbeit im Raum der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und die Neuprofilierung der Arbeit der EAK nach Aussetzung der Wehrpflicht und Wegfall des Zivildienstes. Walter Herrenbrück dazu im Rückblick:
„Die Aussetzung der Wehrpflicht war ein Ziel, für das sich die EAK über Jahre eingesetzt hat. Nachdem es nach Aussetzung der Wehrpflicht den biographischen Bezug im Leben der jungen Männer nicht mehr gibt, sich zwangsläufig für oder gegen den Militärdienst zu positionieren, geht es nun darum, die Friedens- und Gewissensfrage in der Kirche als Thema stark zu machen und in den Christengemeinden den Frieden zu bezeugen und ihn auch zu leben.“
Der Friedensbeauftragte der EKD, Renke Brahms, betonte in seinen Dankesworten an Herrenbrück: „Sie sind immer im Dienst der Sache des Friedens gewesen. An dem Gelingen der Neugestaltung der Friedensarbeit in der Kirche haben Sie großen Anteil.
Als Nachfolger von Walter Herrenbrück hat die EAK Mitgliederversammlung Herrn Dr. Christoph Münchow, bis 2011 Oberlandeskirchenrat in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsens und Stellvertreter des Landesbischofs, zum neuen Vorsitzenden gewählt.
Christoph Münchow unterstreicht:
Wir müssen in den Kirchen die Friedenstheologie weiterentwickeln, die friedenspolitische Diskussion anregen und die Friedens- und Gewissensbildung stärken.
Als Vorsitzender der EAK möchte ich mich für eine Weiterentwicklung dieser Kernthemen der kirchlichen Botschaft einsetzen. Die Beratung in Fragen der Kriegsdienstverweigerung von Soldaten und Soldatinnen sowie international werden wir als EAK weiterführen.“


 

News 2.8.2012
EAK Studientag: Responsibility to Protect

Am 18. September lädt die EAK zum Studientag “Responsibility to Protect” nach Nürnberg ein. Anmeldungen werden bis Freitag, den 24. August unter Telefon: 0228 – 24 999 -0 oder Email: office@eak-online.de entgegengenommen.

 

 

Als Responsibility to Protect oder auch Schutzverantwortung wird das Konzept der internationalen Politik und des Völkerrechts bezeichnet, welches dem Schutz des Menschen vor schweren Menschenrechtsverletzungen und vor Verletzungen des humanitären Völkerrechts dienen soll. Diesem Konzept widmet sich die EAK einen ganzen Tag lang. Beginnen wird der Studientag mit einem Vortrag von Herrn Dr. Deiseroth zur juristischen Einordnung des R2P-Konzepts, um anschließend in einem Beitrag von Jakob J. Fehr eine Vorstellung davon zu bekommen, wie R2P theologisch und friedenspolitisch eingeordnet werden kann. Am Nachmittag wird auf dieser Basis zur gemeinsamen Diskussion in unterschiedliche Arbeitsgruppen eingeladen. Abschließend werden die Ergebnisse der Arbeitsgruppen vorgestellt und Empfehlungen zur Weiterarbeit an dem Thema gefunden.

Die Tagesordnung finden Sie hier als pdf: Tagesordnung Studientag EAK R2P