Friedenskreis Pankow und AGDF laden zur Friedenswerkstatt beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin

AGDF

(07.03.2017) Angesichts der täglichen Nachrichten von Terror und Gewalt, den Bildern von Tod und Vertreibung, Flucht und Elend, aber auch der steigenden Rüstung und einem zunehmenden Denken in Richtung militärischer Lösungen von Konflikten wollen Friedensgruppen und Friedensverbände während des Deutschen Evangelischen Kirchentags in Berlin zeigen, dass auch in Taten und Worten Frieden gestiftet werden kann. Und dies bei einer Friedenswerkstatt in Pankow, zu der der Friedenskreis Pankow und die evangelische Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) einladen. Insgesamt 16 Initiativen beteiligen sich an der Friedenswerkstatt. 

„Gewaltfreiheit und Versöhnung sind kraftvolle Alternativen zu Bomben und Terror. Dafür wollen wir werben“, unterstreicht Jan Gildemeister, der AGDF-Geschäftsführer. Und Jan Stehn, der die Friedenswerkstatt koordinieren wird, betont: „Die 16 beteiligten Initiativen und Gruppen wollen den täglichen Meldungen von Terror und Gewalt ihre ermutigenden und hoffnungsvollen Erfahrungen und Konzepte entgegensetzen. Sie werden von Menschen berichten, die sich der militärischen Logik verweigern, von Menschen, die sich zwischen die Fronten stellen und von Menschen, die Feindbilder überwinden.“ 

Von Christi Himmelfahrt (25. Mai) bis zum Samstag, 27. Mai, wird es bei der Friedenswerkstatt Pankow ergänzend zum Programm des Deutschen Evangelischen Kirchentages im Gemeindehaus und in der Alten Pfarrkirche der Kirchengemeinde Alt-Pankow 25 Veranstaltungen geben, in denen informiert und diskutiert wird, über aktive Gewaltlosigkeit, christlichen Pazifismus und über politische Alternativen zu Militär und Kriegseinsätzen. „So wollen wir dazu beitragen, Feindbilder zu überwinden und Gewalt zurückzudrängen. Und wir wollen Perspektiven auf einen gerechten Frieden entfalten“, erläutert Ruth Misselwitz, die Pfarrerin der Kirchengemeinde Alt-Pankow. 

Es ist ein breites Themenspektrum, das bei der Friedenswerkstatt angesprochen werden wird. Da geht es um Ziviles Peacekeeping im Südsudan und in Kenia, um die Verständigung zwischen Palästinensern und Israelis, die Flüchtlingsarbeit auf Lesbos, die Frage nach der Aufnahme von Flüchtlingen, die Perspektiven und Aufgaben der Friedensbewegung, den Weg der badischen Landeskirche zur Kirche des gerechten Friedens, die Frage nach einem Zivilsteuergesetz sowie zivile Lösungen für den Syrienkonflikt. 

Aber auch die Friedensarbeit der Kirche und historische Erfahrungen, nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Reformationsjubiläums, stehen bei der Friedenswerkstatt im Blick der Veranstaltungen. So wird der christliche Befreiungstheologe Walter Wink eine biblische Kritik des Mythos von der erlösenden Gewalt entwerfen, die evangelische Theologin Antje Vollmer und der katholische Jesuitenpater Klaus Mertes werden für die Einheit der Christen als Voraussetzung für den Dialog mit den Religionen streiten. Die „Klage des Friedens“, von Erasmus von Rotterdam vor 500 Jahren geschrieben, wird ebenso Thema sein wie die DDR- Bürgerrechtsbewegung und die Bausoldaten in der NVA oder der radikale Blick auf Gewaltfreiheit von Leo Tolstoj. 

Die Veranstaltungen sind täglich eingerahmt von einem Morgen- und einem Nachtgebet in der Alten Pfarrkirche Pankow. Den Abschluss bildet am Samstag, 27. Mai, ein ökumenischer Gottesdienst mit Abendmahl. 

Die Friedenswerkstatt Pankow findet an einem Ort statt, der auf eine lange friedensbewegte Geschichte zurückblicken kann. Hier gründete sich 1981 als erste Gruppe in Berlin der Friedenskreis Pankow, der sich damals sowohl als Teil einer lokalen Kirchengemeinde wie auch als eigenständige Gruppierung in politischer Verantwortung verstand. Am 24. Oktober 1981 hatte hier die Kirchengemeinde Alt-Pankow vor dem Hintergrund der atomaren Hochrüstung zu einem Fest „Gegen Todsicherheit – für den Frieden“ eingeladen. Die Gründungsstunde des Friedenskreises vor mehr als 35 Jahren. Hans Misselwitz, damals bei der Gründung des Friedenskreises wie heute bei der Vorbereitung der Friedenswerkstatt engagiert, betont: „Damals wie heute bewegt den Friedenskreis die Empörung über Aufrüstung, Militarisierung der Politik und ungerechte Verhältnisse. Dass dagegen erneut Widerstand von unten wächst, das ist unsere Hoffnung.“ 

Neben dem Friedenskreis Pankow und der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden, die im kommenden Jahr auf 50 Jahre Friedensarbeit zurückblicken kann, beteiligen sich auch der Bund für Soziale Verteidigung, das Deutsche Mennonitische Friedenskomitee, das Referat Friedensbildung und Zentrum für Mission und Ökumene – Nordkirche weltweit der Evangelisch- Lutherischen Kirche in Norddeutschland, das Forum Friedensethik der Evangelischen Landeskirche in Baden, das Forum ZFD, das Friedensbildungswerk Köln, gewaltfrei handeln, der weltweite Freiwilligenaustausch ICJA, der Internationale Versöhnungsbund, die Kampagne „MACHT FRIEDEN. Zivile Lösungen für Syrien“, die Kirchengemeinde Alt-Pankow, das Netzwerk 
Friedenssteuer, die Plattform Zivile Konfliktbearbeitung und der Verlag Graswurzelrevolution an der Friedenswerkstatt.
(Dieter Junker)

Links zum Thema

Friedenswerkstatt Pankow