EKD-Friedensbeauftragter: Demokratische Streitkultur wieder stark machen

EKD

(10.11.2017) Streiten ist nach Auffassung des Friedensbeauftragten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, ein zentrales Element einer demokratischen Kultur. Wichtig sei dabei aber, dass eine demokratische Streitkultur wieder stark gemacht werde. „Streit ist erst einmal nichts Verwerfliches, sondern er hat auch sein Gutes. Erst recht, wenn es uns gelingt, die Sicht unseres Gegenübers nachzuvollziehen. Denn auch im Streiten können wir lernen, die Perspektiven zu wechseln“, macht der Theologe dabei klar.

Angesichts zunehmender populistischer und nationalistischer Tendenzen in Deutschland sei es nun aber besonders wichtig, verstärkt auf den demokratischen Umgang mit anderen Meinungen hinzuweisen und diesen weiter einzuüben, betont der EKD-Friedensbeauftragte, der auch der Leitende Geistliche der Bremischen Evangelischen Kirche ist. „Wir sollten den eigenen Standpunkt deutlich machen, ohne das Gegenüber aus dem Blick zu nehmen“, so Brahms. Und er macht deutlich: „Hass lässt uns Konflikte nicht konstruktiv bearbeiten. Wir müssen weiterhin friedlich streiten und die faire Auseinandersetzung sowie den Dialog im politischen Raum suchen, denn Streiten ist notwendig.“

Der EKD-Friedensbeauftragte freut sich daher, dass das Thema „Streit“ im Mittelpunkt der diesjährigen Ökumenischen Friedensdekade steht, die am 12. November beginnt. „Ich würde mir wünschen, dass sich viele Menschen bei den Veranstaltungen und Gottesdiensten bewusst machen, dass bei allen Auseinandersetzungen es nicht dazu kommen darf, dass Andersdenkende ausgegrenzt werden, sondern dass im Streit immer auch ein menschliches Miteinander gewahrt wird“, so Renke Brahms.

Daneben freue er sich aber auch, dass bei der kommenden Ökumenischen Friedensdekade auch die längst überfällige Debatte über die deutlichen finanziellen Zuwächse im deutschen Verteidigungsetat und die Frage nach einer besseren Unterstützung ziviler Maßnahmen zur Konfliktbearbeitung angestoßen werden soll. „Auch hier ist Streit durchaus sinnvoll, denn in den vergangenen Jahren wurde der Auseinandersetzung über diese Frage in der Politik bewusst ausgewichen“, kritisiert der EKD-Friedensbeauftragte Renke Brahms.
(Dieter Junker)

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