EAK: Hohe Zahl minderjähriger Soldaten ist "erschreckend"

Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) hat die hohe Zahl von Minderjährigen in der Bundeswehr scharf kritisiert. Nach Medienberichten ist im vergangenen Jahr die Zahl von Soldatinnen und Soldaten, die bei Dienstantritt noch nicht volljährig waren, auf 2128 gestiegen. Das wäre die bisher höchste Anzahl von minderjährigen Soldaten in der Bundeswehr. „Diese Entwicklung ist erschreckend und so nicht hinnehmbar“, betont der EAK-Vorsitzende Dr. Christoph Münchow.

Nach Ansicht der EAK seien viele Jugendliche noch nicht in der Lage, wirklich die Konsequenz eines freiwilligen Dienstes in der Bundeswehr zu erkennen. In den Werbekampagnen würden zudem die gefährlichen Einsätze ausgeblendet und das Militär verharmlost dargestellt. „Hier wird einseitig die Faszination Jugendlicher für Technik und den Soldatenberuf ausgenutzt“, kritisiert Christoph Münchow. Die Gefahren von Auslandseinsätzen oder das Töten werde nicht oder nur am Rande angesprochen. „Hier muss es Veränderungen geben“, meint der EAK-Vorsitzende.

Die EAK verweist dabei aber auch auf die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen, die die Rekrutierung von Minderjährigen verbietet. „Es grenzt schon an Doppelmoral, wenn in Deutschland gegen den Einsatz von Kindersoldaten in Afrika oder Asien protestiert wird, aber die Bundeswehr gleichzeitig Minderjährige als Soldaten rekrutiert“, so Christoph Münchow. Sinnvoller wäre es, wenn sich die Bundesregierung an diese UN-Konvention halte und die Werbung für den Soldatenberuf in Schulen und Jugendeinrichtungen endlich einstellen würde, forderte der EAK-Vorsitzende.
(Dieter Junker)

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