Brahms: Kirche muss den Vorrang von Zivil in der politischen Diskussion betonen

EKD

(09.03.2017) Der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, hat die Notwendigkeit kirchlicher Friedensarbeit angesichts globaler Herausforderungen betont. Bei einem „Offenen Abend“ in der Elberfelder Johanneskirche in Wuppertal unterstrich dabei den Vorrang von Zivil, den die Kirche in der politischen Diskussion betonen müsse.

Der EKD-Friedensbeauftragte erinnerte an das Leitbild des „Gerechten Friedens“, das die Friedensethik der evangelischen Kirche bestimme. Daraus resultiere die Notwendigkeit einer zivilen Konfliktbearbeitung, auch in Zeiten zunehmender Krisen, militärischer Konflikte und einer steigenden Rüstung.

In diesem Zusammenhang kritisierte Renke Brahms erneut die Rüstungsexporte, aber auch die von der Bundesverteidigungsministerin angekündigte Erhöhung des deutschen Verteidigungshaushaltes. „Ein zweiprozentiger Anstieg bedeutet einen Zuwachs von jetzt 37 Milliarden Euro auf mehr als 60 Milliarden Euro. Das ist eindeutig die falsche Richtung“, warnte der EKD-Friedensbeauftragte. Dazu käme, dass Deutschland von dem Ziel, 0,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Entwicklungshilfe auszugeben, noch weit entfernt sei. „Statt nun Verteidigungsetats hochzufahren, wäre es sinnvoller, internationale Organisationen wie die UN und die OSZE zu stärken“, meinte Brahms in Wuppertal.

Auf Kritik stieß bei dem EKD-Friedensbeauftragten auch die massive Werbung der Bundeswehr unter Jugendlichen. „Insbesondere zwei Gesichtspunkte sind von großer Bedeutung: Zum einen sollten die Kampagnen der Bundeswehr ein realistisches Bild der Tätigkeiten darstellen, zum anderen sollten Minderjährige nicht zur Zielgruppe der Werbung zählen“, betonte Renke Brahms. Nicht zuletzt aufgrund der zunehmenden Werbung der Bundeswehr sei es umso wichtiger, dass Jugendliche im Zentrum der Friedensbildung stehen würden. Der EKD-Friedensbeauftragte verwies hier auf positive Beispiele wie das Projekt „Jugendliche werden Friedensstifter“ der badischen Landeskirche oder das Projekt „Friedensbildung, Bundeswehr und Schule“, das von der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) und der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) durchgeführt wird.
(Dieter Junker)