Brahms: Friedensthemen und Friedensfragen sind zu einem wichtigen Thema der evangelischen Kirche geworden

Evangelische Friedensarbeit

(05.02.2018) Friedensthemen und die Friedensarbeit sind in der evangelischen Kirche zu einem auch in der Öffentlichkeit deutlich wahrnehmbaren Thema geworden. Dies unterstrich die Konferenz für Friedensarbeit im Raum der EKD, die in Loccum zu ihrer jährlichen Tagung zusammen kam.

Dass das Thema Frieden in der Arbeit der evangelischen Kirche eine zunehmende Rolle spielt, zeigt nach Ansicht von Renke Brahms, dem Friedensbeauftragten des Rates der Evangelischen Kirche, die Tatsache, dass die EKD-Synode im November beschlossen hat, Frieden zum Schwerpunktthema ihrer Herbsttagung 2019 zu machen und dies mit einem längeren und breit angelegten Prozess vorbereiten will.

Ziel sei es dabei, die vielen friedensethischen synodalen Prozesse in den EKD-Landeskirchen, aber auch das Projekt „Dem Frieden in der Welt dienen“ der Evangelischen Akademien, den Konsultationsprozess „Orientierungswissen zum gerechten Frieden“ an der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft sowie andere Projekte auf dieser Synode 2019 zu bündeln, so der EKD-Friedensbeauftragte. „In diesem Prozess liegt eine große Chance“, ist Renke Brahms überzeugt. Brahms ist Vorsitzender der Konferenz für Friedensarbeit.

Erforderlich ist nach Ansicht von Renke Brahms aber auch, dass sich die evangelische Friedensarbeit verstärkt mit dem Thema des interreligiösen Dialogs und des Friedens beschäftigen müsse. „Wie wichtig eine solche Aufgabe ist, hat mir die vom Auswärtigen Amt veranstaltete Konferenz zur Friedensverantwortung der Religionen gezeigt, bei der nicht auf die konfliktauslösenden, sondern auf die friedensfördernde Kraft der Religionen geblickt wurde“, betonte in Loccum der EKD-Friedensbeauftragte.

Frieden war auch ein Thema im Jahr des Reformationsjubiläums, so im Rahmen der Weltausstellung Reformation in Wittenberg, beispielsweise mit dem Projekt Café #Friedenswege und Veranstaltungen während der Themenwoche Frieden, aber auch beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin. „Mit Podienreihen, Gottesdiensten und vielen Veranstaltungen war die Friedensthematik in Berlin präsent, auch die Friedenswerkstatt in Pankow wurde als Ergänzung zum Kirchentagsprogramm wahrgenommen“, unterstrich Brahms. Und auch wenn die Resonanz auf die Themenwoche Frieden in Wittenberg hinter den Erwartungen zurückblieb, so spielte nach Ansicht des EKD-Friedensbeauftragten bei der Erinnerung an den Thesenanschlug Luthers vor 500 Jahren der Frieden eine wichtige Rolle. „Und es bleiben nach diesem Jubiläumsjahr durchaus auch Desiderate, die noch zu bearbeiten sind, so der Umgang mit dem linken Flügel der Reformation und dem Augsburgischen Bekenntnis, in dem die Verdammung der Wiedertäufer formuliert war und ist“, macht Renke Brahms klar.

Kritische Worte gab es in Loccum zu aktuellen politischen Fragen. So sollte nach Ansicht des EKD-Friedensbeauftragten die Verleihung des Friedensnobelpreises an das Netzwerk ICAN Anlass für die Bundesregierung sein, hier sich nun auf einen Weg zu machen, an dessen Ende dann auch die deutsche Unterzeichnung des Atomwaffenverbotsvertrages der Vereinten Nationen stehen muss. Auf Ablehnung stieß in Loccum zudem die Absicht der europäischen Staaten, sich zu einer Erhöhung des Verteidigungshaushalt zu verpflichten (Brahms: „Gigantische Aufrüstung“). Und schließlich forderte die evangelische Friedensarbeit die Bundesregierung auf, deutliche Worte gegen den völkerrechtswidrigen Einmarsch der Türkei in kurdische Gebiete in Syrien zu finden.

Dass Friedensarbeit eng mit der Forderung nach einer Nachhaltigkeit verbunden ist, betonte Ruth Gütter, Referentin für Fragen der Nachhaltigkeit der EKD. „Nachhaltigkeit, das bedeutet eine Lebens- und Wirtschaftsweise, mit der allen Menschen der gegenwärtigen wie der künftigen Generation ein menschenwürdiges Leben führen können, ohne dass dafür die planetarischen Grenzen verletzten werden“, unterstrich sie in Loccum. 17 Nachhaltigkeitsziele, darunter auch Frieden, wurden von den Vereinten Nationen in ihrer Agenda 2030 formuliert. „Und hier können die Kirchen durchaus auch Mahner, Mittler und Motor dieses Prozesses sein“, betonte sie und verwies darauf, dass die Kirchen bereits bei der ÖRK-Vollversammlung in Nairobi 1975 oder mit dem 1983 begonnenen Konziliaren Prozess hier auf eine lange Erfahrung bei diesen Fragen blicken können.

Welche Schnittlinien es zwischen der Politik und den zivilgesellschaftlichen Akteuren gibt, davon berichtete der Studienleiter der Evangelischen Akademie Loccum, Dr. Thomas Müller-Färber, bei der Konferenz der Friedensarbeit. Er lud die zivilgesellschaftlich Aktiven dazu ein, zu schauen, wo es Ansprechpartner in der Politik und welche Dialogformate es gibt, aber auch, welche Rolle die Akteure hier spielen können. Von Konferenzteilnehmern wurden solche Beteiligungsmöglichkeiten durchaus begrüßt und positiv gesehen, aber auch davor gewarnt, dass solche Dialoge nicht eine Alibifunktion für die Politik haben dürften.

Die „Konferenz für Friedensarbeit im Raum der EKD“ trat im Januar 2009 zum ersten Mal zu ihrer jährlichen Tagung zusammen. Loccum war die neunte Tagung. Ihr gehören die Friedensbeauftragten der EKD-Gliedkirchen sowie Vertreter von EKD, kirchlichen Trägern der Friedensarbeit und damit verbundenen Institutionen an. Sie vernetzt dadurch die Arbeit aller relevanten Akteure und ermöglicht dadurch eine breite Diskussion friedenspolitischer Entwicklungen und Strategien sowie die Abstimmung gemeinsamer Initiativen. Die Konferenz will so Impulse an die leitenden Gremien der EKD und ihrer Gliedkirchen sowie für die Arbeit ihrer Mitglieder geben.
(Dieter Junker)

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